Bereits seit mehreren Jahren ist die Agentur für Arbeit in Kooperation mit der Deutschen Angestellten-Akademie München im Rahmen der Integration von Menschen mit Behinderungen aktiv. Am 08. Dezember 2011 luden Armin Metzger, Institutsleiter der DAA Südbayern, und Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit München zu einem Pressegespräch in die Räumlichkeiten der DAA München ein. Gemeinsam mit Vertretern der Unternehmen BioMarkt, Pflanzen Kölle und Keller & Kalmbach empfingen sie die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreter zum Thema „Fachkräftemangel als Chance für behinderte Jugendliche; behinderte Menschen brauchen viel – nur keinen Mitleidsbonus“.
Menschen mit Behinderung haben im Vergleich zu nicht behinderten Menschen immer noch Schwierigkeiten, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Während im Stadtgebiet die Arbeitslosenquote auf einem sehr guten Niveau von 4,8 % und im gesamten Agenturbezirk sogar nur bei 3,7 % liegt, ist sie bei Menschen mit Behinderung nahezu doppelt so hoch. „Der Aufschwung der letzten eineinhalb Jahre ist zum größten Teil an dieser Personengruppe vorbeigegangen“, mahnte Max Keller an, der bei der Agentur im Bezirk München für die Thematik verantwortlich ist; er stellte damit noch einmal die Wichtigkeit der fördernden Maßnahmen dieser Gruppe heraus. Herr Becking, stellte fest, dass 2/3 der rund 4.200 Betriebe – die per Gesetz dazu verpflichtet wären, Menschen mit Behinderung einzustellen – momentan die vorgeschriebene Ausgleichsabgabe zahlen, anstatt die Quoten zu erfüllen.
Besonders vor dem Hintergrund des eklatanten Fachkräftemangels im Raum München scheint dies verwunderlich. Behinderte Arbeitnehmer sind erwiesenermaßen nicht weniger leistungsfähig und bieten am richtigen Arbeitsplatz sogar spezifische Vorteile. Den Unternehmen entgeht damit ein Win-Win-Effekt:
Arbeitgeber erhalten mit Behinderten überdurchschnittlich gut qualifizierte sowie hoch motivierte Fachkräfte.
Unternehmen aus dem Raum München können soziale Verantwortung übernehmen und Signale setzen.
Unternehmen sparen die Ausgleichskosten.
Häufige Krankheitszeiten, ein erhöhter Kündigungsschutz während der Probezeit sowie ein immenser Investitionsaufwand für die behindertengerechte Gestaltung eines Arbeitsplatzes sind falsche Vorurteile, die Betriebe von einer Einstellung Behinderter nicht abschrecken sollten. Hier stehen die Agentur für Arbeit und auch die DAA als Ratgeber und Förderer zur Seite.
Die Konferenz endete mit einem klar formulierten Appell an die Wirtschaft. Im Moment stehen im Raum München weitere 3.300 Schwerbehinderte dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Alle Beteiligten riefen Betriebe dazu auf, sich dem Potential behinderter Menschen stärker bewusst zu werden und diese Ressourcen bei der Suche nach Fachkräften mit einzubeziehen.

